WANDEL IM HANDEL

Hausaufgabe: Suche den Unterschied auf den beiden Etiketten und beschreibe den Geschmacksunterschied…

Nach 30 Jahren relativ guter Beziehungen, wenn nicht gar Freundschaft, zwischen Deutschland und Russland, leben wir nun in einer Zeit der Umgestaltung der Sprachregelungen.
Dass der russische Zupfkuchen, der gar nicht aus Russland stammt, sondern von einem Backwarenhersteller in Bielefeld, mittlerweile nur noch Zupfkuchen heißt, hat sich schon herumgesprochen. In Russland hieß der russische Zupfkuchen übrigens bislang „Deutscher Quarkkuchen“, aber in Zukunft soll er „Tschetschenische Käsetorte“ heißen.
Russischbrot, jene Knusperkekse für Notzeiten, deren Ursprung auf einen finsteren Slawen-Kult zurückgeht, heißt in Zukunft Bahlsens brauner Buchstabenbruch.
Zahlreiche Fußballvereine, vor allem die aus Dortmund und Mönchengladbach, werden ihren Namen „BoRUSSIA“ ablegen, da dieser Name allzu oft Anlass zu Missverständnissen gibt und die allermeisten Fans sowieso nicht wissen, dass sie den „Preußen“ zujubeln.
Der Schauspieler Russel Crowe wurde bereits aus allen Mediatheken gelöscht, weil er im „Gladiator“ keinen Hut mit blau-gelber Fahne aufgehabt hat.
Und Moskowskaya (Moskauer Wodka), der Marktführer, der bekanntlich keine Fahne macht, und auf dessen Etikett früher mal „Importiert aus der UdSSR“ stand, wird demnächst, nach dem Sitz des deutschen Generalimporteurs, umgetauft in „Jülicher Jubelwasser“.
Es lebe der Provinzialismus, die Piefigkeit, das Spießertum, die Geldgier, der Opportunismus und die Hysterie.


(c) 2022 Henning Venske