Staatsmänninnen

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Nibelungentreue“ als signifikantes Merkmal in unser Nationalbewusstsein eingraviert, weil man die unverbrüchliche Treue der Burgunderkönige zu Siegfrieds Mörder Hagen von Tronje damals für eine wertvolle deutsche Charaktereigenschaft hielt. Heute verstehen wir unter Nibelungentreue eher eine atavistische, bedingungslose, idiotische und potenziell verhängnisvolle Bündnistreue. Führende deutsche Politikerinnen haben das wohl nicht mitgekriegt. Sie halten die von ihnen praktizierte Nibelungentreue zur Nato für eine friedenssichernde Kraft, obwohl das Gegenteil in den vergangenen Jahrzehnten oft genug bewiesen wurde.
Für diese treuen deutschen Politikerinnen steht fest, dass Deutschland sicherheitshalber zu einer antirussischen Einheit zusammengeschweißt werden muss. Entsprechend gestalten sie ihr Denken, Reden und Handeln – sie kennen ja den „Russen an sich“, den primitiven Plünderer, den blutrünstigen Totschläger, und sie haben von ihrer Oma gehört, wie es war, mit Adolf im Herzen vom Iwan vergewaltigt zu werden.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist die Vorkämpferin gegen die Untermenschen aus Moskau und Umgebung ist. Die aggressive Amazone will die Bundeswehr neu ausrichten, die Soldaten sollen zum Feindbild Russland eine konfrontative Stellung einnehmen: „Sie brauchen ein Bild eines möglichen Feindes, der unsere Freiheit und Demokratie beseitigen will. Und das sehen wir jetzt gerade. Jetzt wissen wir, wie ein Feind aussehen könnte, in diesem Fall aussieht….“
Über dreißig Jahre herrschte gute Nachbarschaft zwischen Deutschland und Russland, im Jahre 2001 hielt Putin eine umjubelte Rede im Bundestag, und die Ära der Politikerin Merkel war geprägt von Handel und Wandel. Wem, zum Teufel, bot diese Zeit eigentlich einen Anreiz, den Status zum Schlechteren zu verändern? Musste die Nato sich immer weiter nach Osten ausdehnen und Russland mit Angriffswaffen einkreisen, musste das Regime in Kiew den hauptsächlich russisch besiedelten Osten der Ukraine seit 2014 immer wieder beschießen, musste sich Putin unbedingt provozieren lassen und einen Krieg anfangen? Offenbar ja: Die Diplomatie wurde erschossen und beerdigt.
Alles, was seit dem Ende des 2. Weltkrieges hochgehalten wurde – „Ohne Mich – Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen – Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin – Schwerter zu Pflugscharen -haben deutsche Politikerinnen abgehakt: Heute ist Krieg, und keine will daran unbeteiligt sein. Sie liefern der Ukraine Waffen und Geld für diesen Krieg, aber eine Krieg-führende Partei sind sie angeblich nicht, weil die Ukraine nicht in der Nato ist.
Die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat die Produktion neuer Panzerhaubitzen für die Ukraine in Aussicht gestellt, andererseits behauptet sie: „Es ist ganz klar – sowohl für die deutsche Bundesregierung als auch für die gesamte Nato: Wir werden keine Kriegspartei“. Ich nenne das ein übles Lügenkonstrukt, aber die Politikerinnen nennen es Völkerrecht. Verlangen Völkerrecht und Nibelungentreue tatsächlich eine Waffenbrüderschaft mit der Ukraine? Stärkste Kraft dort sind die Kämpfer des Asow-Regiments in der Nationalgarde und etliche andere militärische Verbände, die sich der Leitidee der SS „Meine Ehre heißt Treue“ verpflichtet fühlen. Hilf Himmel, wenn dieses Gesindel siegt, an die Regierung kommt und sich in der EU breit macht…
Innenministerin Nancy Faeser ließ sich immerhin schon mal neben der Leiterin des Stadtrats von Irpin fotografieren, und die trägt auf ihrem T-Shirt ein kreisrundes Logo, in dem sich sich das Abbild eines Sturmgewehrs befindet, darum herum der Schriftzug „Black Rifles Matter“. Diese ultrarechte Symbolik verhöhnt die Bewegung „Black Lives Matter“ und signalisiert Gewaltbereitschaft.
Mecklenburgs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, zuerst Förderin der sogenannten Klimastiftung, die mit Mitteln von Gazprom finanziert wurde und den Zweck verfolgte, die Gaspipeline Nord Stream 2 in Betrieb zu setzen, ist zügig umgekippt und kappte alle Drähte zu Russland. Den Verein „Deutsch-Russische Partnerschaft“ hat sie „gebeten“, seine Arbeit ruhen zu lassen. So wichtig war das dann wohl doch nicht mit der Völkerverständigung.
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey sagte, der russische Angriff auf die Ukraine müsse rechtliche Konsequenzen haben und „der völkerrechtswidrige Krieg gegen die Ukraine darf nicht ungestraft bleiben“. Alle Russen ins Straflager?
Die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang entwickelte eine neue grüne Logik: „Wer Frieden will, muss Waffen liefern“. Wer keine Waffen liefert, ist für den Krieg?
Außenministerin Annalena Baerbock, die jedesmal, wenn sie den Mund aufmacht, eine Bildungslücke in die Welt setzt, will weitere Milliarden € in die Ukraine pumpen, und sie sagte, man müsse den Russen die Beine wegschlagen, sodass sie „Jahrzehnte“ nicht mehr „auf die Beine“ kämen, womit sie zweifellos die russische Bevölkerung animiert, sich hinter ihren Präsidenten zu stellen. In einem Interview erklärte sie: „Unsere Waffenlieferungen helfen offensichtlich sehr deutlich, Menschenleben zu retten“. Da fällt einem doch gleich die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright ein, die 1996 freimütig bekannte, die durch das US-Sanktionsregime im Irak zu Tode gekommenen 500.000 Kinder seien „es wert“ gewesen… Bundesaußenministerin Baerbock ist klar: „Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit, unsere Friedensordnung und wir unterstützen sie finanziell und militärisch – und zwar so lange es nötig ist. Punkt.“ Wurde unsere Freiheit nicht bis vor kurzem noch am Hindukusch verteidigt? Vermutlich ist die Ukraine das neue Afghanistan… Für die deutsche Außenministerin gilt – „no matter what my German voters think“ – Ukraine First!
Und auch die deutsche Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula v.d.Leyen will, dass die Ukraine den Krieg gewinnt. Deswegen schlägt sie pro Woche mindestens ein neues EU-Sanktionspaket gegen Russland vor – was uns an längst überholte Erziehungsmaßnahmen denken lässt: „Stell dich in die Ecke – Strafarbeit – Nachsitzen – Taschengeldkürzung – Fernsehverbot – Stubenarrest – ohne Abendbrot ins Bett“. Heute nennt man derartigen Quatsch „Sanktionen“. Um diese Sanktionen abzufedern, unterzeichnete die Scharfmacherin in Aserbaidschan eine Absichtserklärung, wonach innerhalb von fünf Jahren doppelt so viel Gas im Jahr geliefert werden soll wie bisher, obwohl Aserbaidschans Regime, das vor gar nicht langer Zeit einen Krieg mit seinem Nachbarland Armenien ausgefochten hat, zu den unfreiesten, korruptesten und autoritärsten auf der Welt gehört.
Leider sind die deutschen Politikerinnen international keineswegs isoliert –
die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin, die lustige Partymaus, verwehrt Russen die Einreise nach Finnland, und die Ministerpräsidentin Estlands, Kaja Kallas sagte: „Als Tourist nach Europa zu reisen, ist kein Menschenrecht, sondern ein Privileg.“ Na bravo – mit dieser Einstellung feierte schon die DDR-Führung große Erfolge.
Und schließlich Liz Truss, die britische Premierministerin: Sie unterstützt Briten, die als Söldner zum Kämpfen in die Ukraine wollen…
Tja, seit Maggie Thatcher glauben Politikerinnen, sie könnten sich alles erlauben.
Für kontemplativ veranlagte Menschen gilt: Diese nibelungentreuen Politikerinnen sind lediglich Medienaktionistinnen. Verlässt man das Netz, schaltet Fernsehen und Radio aus und liest keine Zeitung, verschwinden sie im OFF.


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