Hier spricht der Fußball-Fan

Herr Löw beendet noch dieses Jahr seine Existenz als Fußball-Bundestrainer. Gut so: Ein Mann, der mit Anfang 60 in der Öffentlichkeit immer noch Jogi genannt wird, hat zweifellos Probleme, ernstgenommen zu werden. Warum hört er auf? Vielleicht will er 2022 nicht zur Fußball-WM nach Katar, auch wenn das Land außer über ausreichend Sand auch über unerschöpfliche Geldreserven verfügt. Vielleicht ist ihm das Klima zuwider – er hat gehört, dass dort im Sommer, also zur Anstoßzeit, häufig bis zu 45 Grad Celsius herrschen. Das ist ihm vermutlich zu warm. Möglicherweise nimmt er auch Anstoß an der Korruption in der FIFA, die ihn nicht angemessen beteiligt, und es ist auch nicht auszuschließen, dass ihn der Gedanke an die vielen Toten beim Stadionbau stört. Das Rätselraten über die Gründe seines Rücktritts nimmt nur langsam ein Ende. Aber in Wirklichkeit gibt es nur einen Grund für seinen Rücktritt: Jogi Löw hat Angst, die Herrscher der Wüste nicht korrekt ansprechen zu können und dann in Ungnade zu fallen. Er kann sich nämlich keine Namen merken. Dabei ist es ganz einfach: In Katar regiert das Haus von Al Thani, denn der Gründer der Dynastie ist der Emir Mohammed bin Thani. Das Sagen hat zur Zeit Hamad bin Khalifa Al Thani. Der hat 1995 seinen Vater Emir Khalifa bin Hamad Al Thani abgesetzt. Hamad bin Khalifa Al Thani hat drei Ehefrauen und vermutlich 27 Kinder, auch den 1980 geborenen Thronfolger Tamīm bin Hamad Al Thānī. Dessen Urgroßvater war der legendäre Ahmad bin Ali Al Thani, und dann geht es immer so weiter bis zu Sheikh Abdullah bin Nasser bin Abdullah Al Ahmed Al Thani, Urenkel von Sheikh Ahmed bin Mohammed Al Thani und Ururenkel von Sheikh Mohammed bin Jassim bin Mohammed Al Thani, dem siebten Sohn und dritten Nachfolger des Gründers des modernen Katar, Sheikh Jassim bin Mohammed Al Thani, der ein Vetter zweiten Grades von Hamad bin Chalifa bin Hamad bin Abdullah bin Jassim bin Muhammed Al Thani war, dem derzeitigen Herrscher von Katar.
Wochenlang hat Fußball-Bundestrainer Löw trainiert, diesen Stammbaum in seine Abläufe zu integrieren, offensiv und defensiv, vergeblich: Der einzige Name, den er fehlerfrei auf alemannisch aufsagen konnte, war
Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Das war der, der seinerzeit behauptet hatte:

PROFI-FUßBALL IST EIN GLÄNZENDES FURUNKEL AM ARSCH DES KAPITALISMUS.

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