Das war’s! — War’s das? (Eine Art Chronik)

Rabe und Herr V.

Spaltung der Gesellschaft – Ja bitte!

Beliebt und nahezu allgegenwärtig ist der konsequente Missbrauch des Freiheitsbegriffes.
Dabei ist nach Immanuel Kant Freiheit nur durch Vernunft möglich. Da kommen wir also nicht weiter: Seit AfD, Pegida und Querdenker (ein unangemessener Ausdruck – treffender wäre Intelligenz-Allergiker) mit ihren Verschwörungsgespenstern hausieren gehen, müssen wir einen bizarren Aufschwung von Dummheit ertragen. Impfgegner merken gar nicht, wie absurd es ist, wenn sie von Nazi-Methoden sprechen und sich obszönerweise sogar zu Nazi-Opfern erklären, jammernd und anklagend, ohne dass ihnen auch nur annähernd Vergleichbares geschehen ist.
Es hat sich herausgestellt, dass es zwecklos ist, mit Impfgegnern über „Freiheit“ in einer vom Markt beherrschten Gesellschaft zu diskutieren. Das Thema überfordert deren Denkmittel: Ungeimpfte bestehen darauf, erst mutwillig und skrupellos den Virus im Land zu verbreiten, anschließend lassen sie sich von überlastetem Pflegepersonal bestens versorgen, blockieren auf Intensivstationen, aus dem letzten Beatmungsschlauch pfeifend, die adäquate medizinische Versorgung von Schlaganfall -, Herzinfarkt- und Krebspatienten, und am Ende nehmen sie sich die Freiheit, elend zu verrecken.
Diese Karriere bewältigen mittlerweile jede Woche einige Hundert dieser asozialen Ignoranten. (Die alles betrifft selbstverständlich nicht die Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen!)
Aber nun stelle man sich mal vor, dieses kriminelle Verhalten der Ungeimpften könnten wir den bei uns lebenden Menschen mit Migrationshintergrund anlasten – da kommt aber gewaltig Stimmung auf im Land: Applaus für brennende Flüchtlingsunterkünfte, Abschiebungs-Orgien, Racial-Profiling an jeder Ecke. Notorisch fremdenfeindliche Politiker fordern Konzentrationslager, den verfluchten ausländischen Coronaleugnern werden die Menschenrechte aus dem Leib geprügelt, und die Medien diskutieren eine finale Lösung, den Schießbefehl auf die so genannten „Integrationsverweigerer“.
Zum Glück sind die Corona-Leugner keine Ausländer, sondern anständige Bürgerinnen und Bürger unseres Rechtsstaates, die verantwortungsbewusst angeschnallt in ihren Autos sitzen und bei Rot anhalten, also wahlberechtigte Deutsche, ausgestattet mit einem medizinischen Grundwissen, wie man es nur auf den Universitäten von facebook, twitter oder telegram erwerben kann. Na gut, sie krakeelen manchmal ein bisschen, necken Polizisten oder gehen bei Gelegenheit auf den Stufen des Reichstages spazieren. Aber sonst sind sie astreine Deutsche und echte Demokraten, die zu Recht von der Politik und in Talkshow-Diskussionen wichtiger genommen werden als jede medizinische Forschung oder die Analysen von Pandemie-Experten. Wie sonst ist zu erklären, dass für das Pflege- und das Reinigungspersonal in Senioren-und Behindertenheimen immer noch keine Impfpflicht angeordnet wurde? Das heißt doch: Angestellte, die dafür bezahlt werden, der Gesundheit ihrer Schützlinge zu dienen, tragen den Virus durch die Gänge und von Zimmer zu Zimmer. Ich denke, Politiker, die da nicht einschreiten, machen sich zumindest der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, vielleicht sogar der Anstiftung zum Totschlag. Übrigens – erstaunlich ist, wie viele Politiker sich moralisch aufplustern, wenn es darum geht, unheilbar Kranken den Tod auf Verlangen zu verweigern…
Aber bitte – wenn Herr und Frau Mustermann*frau die Corona- Impfung partout verweigern wollen, ok, dann müssen wir eben daraus die Konsequenz ziehen und unsere Gesellschaft gründlich und handwerklich sauber spalten.
1.) Wir lassen alle Veranstaltungen zwei Mal statt finden – ein Mal für Geimpfte, ein Mal für Ungeimpfte: Sport, Theater, Konzerte, Restaurants, Clubs usw. einerseits mit Maske, andererseits in totaler „Freiheit“. Supermärkte und Behörden stehen an zwei Tagen in der Woche nur für Ungeimpfte zu Diensten, in den Betrieben wird in streng voneinander isoliertem Schichtbetrieb gearbeitet, und auch eigene Fahrradwege, Kinderspielplätze, Autobahnen und sogar Kirchen stellen wir den Ungeimpften zur Verfügung.
Spannend ist dabei nur, welche Künstler sich entschließen können, vor einem ungebremst ansteckenden Publikum aufzutreten, welche Mannschaften für diese Leute kicken wollen, und wer ihnen in Ämtern und Kneipen die benötigten Auskünfte oder das Bier besorgt. Wer mag sich für die an die Supermarktkasse setzen? Gibt es Arbeitgeber, die sich mit Ungeimpften umgeben wollen? Oder Geistliche, die mit Vergnügen Ungeimpfte segnen? Es ist doch sehr fraglich, ob man das alles mit Geld regeln kann, auch wenn es für Veranstalter noch so einträglich ist… Oder –
2.) Die Unvernünftigen, also die Ungeimpften, werden dorthin umgesiedelt, wo die meisten Wohnungen und Häuser schon von Coronaopfern Richtung Friedhof verlassen wurden: in den Erzgebirgskreis und in die Sächsische Schweiz, ins Elbe-Elster-Land oder den Thüringer Saale-Orla-Kreis, also in Gegenden, wo der liebe Gott den Sack zugenäht hat. Ungeimpfte AfD-Gefolgsleute erhalten sogar einen Freifahrtschein nach Sibirien, um dort die landesübliche Freiheit, also eine Komplett-Quarantäne, zu genießen.
Vorher jedoch werden die wenigen vernünftigen Bewohner dieser Landstriche, also die Geimpften, ausgesiedelt – nach Mallorca oder Gran Canaria und meinetwegen auch nach Dresden. Da wartet man schon lange auf einen Zuzug von Vernunft. Irgendwie werden wir diese Seuche doch in den Griff kriegen…


SOVIEL ZUM KANDIDATEN MERZ

Ach Friedrich! Aus dir wird nix.
Du kannst machen, was du willst: Aus dir wird nix.
Deine Führungs-Ambitionen reichen weit hinaus,
Du stehst an den bedeutungsvollsten Rednerpulten,
Du bekleidest zahlreiche respektheischende Ämter,
Viele Stammtischrunden folgen dir ergeben,
dein Bierdeckel ist Programm für’s Volk. Aber: Aus dir wird nix.
Pflege nur weiter Beziehungen, schwinge Reden, biedere dich an, stelle Forderungen, übe Druck aus, mach Versprechungen, äußere Befürchtungen, intrigiere, zahle Schmiergelder:
Aus dir wird nix.
Du bist von dir überzeugt. Du bist tätig jeden Tag,
verwaltest das Leben und bildest emsig Vermögen.
Trotzalledem: Aus dir wird nix.
Du hast keine Geldsorgen, du brauchst das tägliche Brot nicht zu verdienen. Sogar deine Zeit gehört dir. Du brauchst nur zu wollen, doch es fehlt dir an Können. Das heißt: Aus dir wird nix.
Neben Menschen, die denken können und deswegen Wirkung entfalten, erscheinst du wie eine kniende Blattlaus neben einem Elefanten. Eine Volksvertreter-Attrappe. Auch deine katholische Studentenverbindung bekreuzigt sich bedauernd: Aus dir wird nix.
Kämpfe nur immer weiter, rolle deinen Felsen vor dir her den Berg hinauf…
Aus dir wird nix. Ach Friedrich!


RANDNOTIZ (aus den Verhandlungsprotokollen)

Wie kann es in einer Zeit von Produktion und Überproduktion wie der unseren vorkommen, dass es noch arme Leute gibt? Ist es für anständige Bürger und Bürgerinnen nachvollziehbar, wenn sie in einer Epoche, in der jedermann in Samt und Seide gekleidet sein könnte, auf der Straße Elendsgestalten begegnen, die, in unvorteilhafteste Baumwoll-Lumpen gekleidet und übel riechend durch den Tag schlurfen…? Ist es für unsere Wählerinnen und Wähler zumutbar, dass menschliche Kreaturen an Hunger, Kälte, Dürre und Krankheiten krepieren, während sich Lebensmittel jeglicher Art in Hülle &Fülle auf sämtlichen Märkten unseres Globus stapeln, die Pharmakonzerne unermesslich viele Gesundheitsmittel anbieten und Klima-Anlagen alle Schikanen der Natur weltweit aufs Angenehmste ausgleichen?
Wir müssen der Menschheit eine stichhaltige Erklärung dafür liefern, warum inmitten unserer ungenutzten Reichtümer Leute existieren, die stur, steif und verbissen darauf bestehen, arm zu bleiben. Dass es sich dabei um Kriminelle handelt, die in Justizvollzugsanstalten am besten aufgehoben wären, sollten wir aus Kostengründen ausschließen. Wir sollten uns vielmehr darauf verständigen:
Armut ist nicht das Ergebnis eines mangelhaften und ungerechten Zustandes der Gesellschaft, sondern eine individuelle Degeneration physiologischer Art. Das heißt, menschliches Elend ist bedingt durch gestörte Funktionen und Abläufe im Organismus eines Individuums… Armut ist eine Neurose, und die Armen sind Geistesgestörte, Degenerierte, Abartige! Also letztendlich Kranke.
Die Bekämpfung dieses Wahnsinns ist in erster Linie eine Familienangelegenheit und keinesfalls Aufgabe der Politik, und schon gar nicht Gegenstand dieser Koalitionsverhandlungen.

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JEFF BEZOS ist ok. Er bekennt:

Meine Burger bestehen ganz&gar aus biologisch kontrolliertem und gestempeltem Blattgold. Ich war immer der Überzeugung, das Schmecken, Kauen und Schlucken von Gold sei der Gipfel des Reichtums, das Optimum guten Geschmacks. Und was musste ich feststellen? Es gibt nichts, gar nichts, was ähnlich schlecht schmeckt. Ungenießbar. Absolut ungenießbar. Aber irgendwie kann ich nicht genug davon kriegen…

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Olaf ist die neue Angela

Seine Aufgabe ist es, das Merkel-Erbe zu verwalten. 

Norbert (Röttgen) wird der neue Heiko, Markus (Söder) wird der neue Horst.

Und Friedrich (Merz) wird der neue Olaf. Der war ja auch mal Vizekanzler.

Den Rest erledigen sozialdemokratische Frauen.

Das sollte dem Volk als Wechsel zum Neuanfang genügen, denn wir haben eingesehen: 

Der Gegensatz der „Volksparteien“, CDU/CSU und SPD,  ist verbraucht: Es sind zwei Flügel derselben Partei. „Deutschland gemeinsam machen“ stand ja schon auf den CDU-Wahl-Plakaten. Offenbar ist Deutschland noch nicht fertig. Es muss fertig gemacht werden. Und nicht mal dafür kann man Christian (Lindner) gebrauchen. Er soll oppositionell verdorren. Aber Anna-Lena kaufen wir:  Sie erhält den einflussreichen Posten der Leuchtturm-Wärterin von Westerhever. 

Die Klimaveränderung werden wir verlangsamen, bis  die Bevölkerung sich ausreichend mit angemessener Regenkleidung, Gummistiefeln und Schwimmwesten bevorratet hat.

Mit der Digitalisierung werden wir chinesische Investoren beauftragen.

Wir halten daran fest, dass Nachhaltigkeit sich lohnen muss. Deswegen werden wir auch den Müll in den Meeren, das Gift in den Böden, die Monokulturen und das Artensterben sowie  das Umdenken im Verkehr und beim Wohnen den Marktmechanismen überlassen. 

Um die Di­versität der Gesellschaft voran zu treiben, und um aus der Vielfalt Kreativität zu schöpfen, begrüßen wir es, wenn auch in Zukunft  die reichsten Menschen eher ins All fliegen, als den weltweiten Hunger zu beenden. 

Schwerpunkte unserer neuen Politik bleiben weiterhin Aktienoptionen, Aufsichtsratsposten, Briefkastenfirmen, Steuerhinterziehung, Waffenhandel, Lobbyismus sowie  Schweineschnitzel und Erdöl für jedermann.

Um die „Westliche Wertegemeinschaft“ zu exekutieren, werden wir weiterhin gegen unbotmäßige Länder Sanktionen verhängen oder unsere Friedenstruppen entsenden. 

Also: „Gemeinsam für ein modernes Deutschland.“ Aber ohne den katholischen Fundamentalisten Laschet. Denn Armin wird der neue Frank-Walter (Steinmeier).

Und nicht vergessen: Angela heißt jetzt Olaf. Keine Experimente!

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ALTES ERHALTEN – NEUES GESTALTEN: NSFDP

Seit Jahrzehnten widmen wir uns der Ausrottung von Flora und Fauna. Selbst so possierliche Tiere wie den Roten Stummelaffen rotten wir aus. Das Artensterben ist uns anscheinend ein Bedürfnis. Nur den ordinären Nazi lassen wir unbehelligt. Hegend und Pflegend tritt dabei vor allem die FDP in Erscheinung. In dieser Partei sammelten sich nach dem Desaster des 1000jährigen Reiches die Getreuen der Hitlerei.
Zentrale Figur war Dr. Ernst Achenbach, ein Nazi-Diplomat, der in Paris an der Deportation der französischen Juden beteiligt war. Er empfahl: „Um den Nationalsozialisten einen Einfluss auf das politische Geschehen zu ermöglichen, sollten sie in die FDP eintreten, sie unterwandern und die Führung in die Hand nehmen“. Für sein parlamentarisches Wirken erhielt er 1971 das Große Bundesverdienstkreuz.
Zahlreiche Nazi-Funktionäre rotteten sich im Naumann-Kreis der FDP zusammen: Diese Herrschaften waren Feinde einer auf Aussöhnung bedachten Ostpolitik. Besonders lautstark ein mit allen Abwassern gewaschener, vielseitig ungebildeter und geltungssüchtiger Mikrokephalos, der SS-Obersturmführer Siegfried Zoglmann. Diese „Freidemokraten“ forderten eine Generalamnestie für alle Nazis und stimmten im Bundestag gegen das Entnazifizierungsverfahren. Verlangten stattdessen die Freilassung aller „so genannten Kriegsverbrecher“ und begrüßten die Gründung des Verbands deutscher Soldaten aus ehemaligen Wehrmachts- und SS-Angehörigen, um die Integration der nationalistischen Kräfte in die Demokratie voranzubringen.
Das gelang am besten beim Bundestagsfraktionsvositzenden Erich Mende, einer im Volksmund „Brillantine-Erich“ genannten Herrenattrappe, der zwar kein Nazi, aber erst recht kein Widerstandskämpfer war: Die Nazis zeichneten ihn aus mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, der Nahkampfspange in Bronze, dem Deutschen Kreuz in Gold und dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Die Bundesrepublik Deutschland verlieh ihm obendrein ihr Großkreuz des Verdienstordens.
Diese Bande von Ehrenmännern wurde angeführt von Theodor Heuss, der 1933 Hitlers Ermächtigungsgesetz zugestimmt hatte. Als es nun darum ging, der Adolf-Hitler-Allee und dem Hermann-Göring-Platz wieder anständige Namen zu geben, sprach sich Herr Heuss dagegen aus, Straßen nach antifaschistischen Schriftstellern zu benennen, die von den Nazis umgebracht wurden, zum Beispiel Carl von Ossietzky oder Erich Mühsam. Die Texte dieser Männer liest man heute noch. Die von Herrn Heuss nicht…
1971 schließlich konnten Wählerinnen und Wähler glauben, die FDP sei ein Stück weit zur Vernunft gekommen: Ihre Freiburger Thesen schrieben fest, Liberalismus solle sich auch sozial engagieren, und „Umweltschutz hat Vorrang vor Gewinnstreben und persönlichem Nutzen.“ Da war der stets gut gelaunte Liberallala-Sangesbruder Walter Scheel Außenminister, später dann Bundespräsident. Dass ein ehemaliges NSDAP-Mitglied dieses Amt bekleidete, störte nicht einmal die SPD.ü
1977 wurden die Freiburger von den Kieler Thesen abgelöst. Das war die Wende der FDP zum Neoliberalismus, Angebot&Nachfrage über alles. Schlichte Gemüter denken seitdem: Liberal – klar, die wollen die Freiheit, die wähle ich. Sie bedenken nicht: Freiheit ohne soziale Sicherheit kann es nicht geben.
Lassen wir mal das bisherige Führungspersonal dieses unappetitlichen Vereins Revue passieren:
Jürgen Möllemann: Fachmann für antisemitische Sprüche, Waffenhandel und Nepotismus. Mit dem offiziellen Briefkopf seines Wirtschaftsministeriums empfahl Möllemann mehreren Handelsketten einen Chip, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Hersteller war sein Vetter.
Hausmann, Rexrodt & Kinkel: der personifizierte deutsche Fachkräftemangel.
Bangemann: Die Personalunion von Rollbraten und schwarzem Loch. Der clevere Lobbyist galt in Brüssel als einflussreicher Typ, weil er immer seinen Teller leer aß.
Otto Graf Lambsdorff: Ein verurteilter Steuerhinterzieher.
Hans Friderichs: Noch ein Steuerhinterzieher. Drahtzieher der Flick-Affäre.
Hans-Dietrich Genscher: Buhmann aller progressiven Kräfte wegen Bruchs der sozialliberalen Koalition. Initiator des Jugoslawien-Krieges.
Guido Westerwelle: Zog 2002 mit einer „18“ auf den Schuhsohlen in den Wahlkampf. Die „18“ stand für die zu erreichenden Prozentpunkte. Angeblich wusste er nicht, dass die „1“ und die „8“ in allen Neonazi-Organisationen für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets stehen, also für die Initialen von Adolf Hitler. Den Gipfel politischer Blödheit erklomm Herr Westerwelle mit der Behauptung: „Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet. Alles andere ist Sozialismus!” Ihm war entgangen, dass die Gesellschaftsform, in der man ohne eigene Arbeit das größte Vermögen anhäufen kann, nicht Sozialismus heißt, sondern Kapitalismus.
Philipp Rösler: Er manipulierte den Armutsbericht der Bundesregierung, indem er entscheidende Textpassagen zur Einkommensschere umschreiben bzw. löschen ließ.
Dirk Niebel: Ließ sich einen Teppich aus Afghanistan einfliegen und vergaß, ihn zu verzollen.
Wolfgang Kubicki: Ein windiger Typ. Vermögen und Unvermögen, Liechtensteiner Gelddepots, fragwürdige Finanztransfers und milliardenschwere Schadensersatzverfahren säumen seinen Weg. Herausragend: Die Pleite des Mobilfunkanbieters Mobilcom und die unsauberen Geschäfte bei der Mülldeponie Schönberg.
Christian Lindner: Ließ es „Aus Liebe zur Freiheit“ zu, dass sich ein FDP-Mann von Faschisten zum Ministerpräsidenten wählen ließ. Denkbar scheint es demnach, dass die FDP unter Lindners Führung eines Tages zwecks Arterhaltung der Spezies Nazi auch den AfD-Gauleiter von Thüringen, einen Herrn Höcke, in ein hohes Staatsamt wählt. Den qualifiziert unter anderem, dass er die deutsche Erinnerungskultur für „dämliche Bewältigungspolitik“ hält…


(zuerst veröffentlicht in „Melodie&Rhythmus)

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Filmaufnahmen, Plakat NDR

DER SCHRECKLICHE HERR W.

„Ich unterstütze grundsätzlich jeden Streik! Aber wenn er mich beim Reisen stört, hört der Spaß auf… Und eins wollen wir doch mal festhalten: Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen, und die wiederum sind die Arbeitsplätze von übermorgen. Lohnsenkungen führen zum Aufschwung, Gehaltverzicht sichert Arbeitsplätze, Arbeitszeitverlängerung bewirkt den Abbau von Arbeitslosigkeit. Am besten, man würde zwei Drittel der Bevölkerung entlassen.”
Das glaubt jeder neoliberale Welterklärer, und warum das in den vergangenen Jahrzehnten nicht wirklich funktioniert hat, das ist eins der großen Wunder unserer Zeit.
Im Fernsehen spricht eine Moderatorin über den „wahnwitzigen Lokführer-Streik“, in Zeitungsberichten wird der Streik als „Erpressungsversuch“ kriminalisiert, und es gibt Journalisten, die sehen sich des Grundrechts auf Mobilität beraubt. Offensichtlich wissen sie nicht: Im Grundgesetz ist von Mobilität nicht die Rede, vom Streik dagegen schon. Aber in den Medien kommen vorzugsweise wutschnaubende Leute zu Wort, zum Beispiel eine Frau, die keifte, sie arbeite in der Pflege und verdiene viel weniger als die Lokführer. Wie blöde ist das denn? Dann sollten sie und ihre Kollegen und Kolleginnen sich mal schleunigst ein Beispiel an den Lokführern nehmen, denn für den beklagenswerten Zustand unserer Klinik-Konzerne wie Asklepios u.a. gilt dasselbe wie für den erbarmungswürdigen Zustand des Transportkonzerns DB. Hier Bettenmangel und Pflegenotstand, da Unpünktlichkeit, Stilllegung von Strecken, mieser Service und jede Menge lächerlicher Pannen, und all das verdanken Patienten und Reisende auch den windelweichen so genannten Gewerkschaften.
Werfen wir einen Blick auf die Eisenbahn: Weder die GdED, noch TRANSNET noch GDBA (Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter) noch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) – oder wie sich der Klüngel sonst noch so nannte und nennt – setzte der Entlassung von -zigtausend Mitarbeitern einen entschlossenen Widerstand geschweige denn einen wirkungsvollen Streik entgegen. Im Gegenteil:
Man unterstützte einen kapitalfreundlichen Kurs, man befürwortete also die Bahnprivatisierung und fand den Börsengang der Bahn durchaus vertretbar.
Da war keine eigenständige Gewerkschaft mehr am Werk, da kuschelte der verlängerte Arm der Deutschen Bahn AG mit servilen Marktanbetern wie Mehdorn, Grube und Pofalla.
Denen gilt Claus Weselsky, der Anführer der kleinen Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), natürlich als rabiater Machtmensch, doch wie genervt man von ihm auch sein mag: Der Mann ist im Gegensatz zu anderen, die sich Gewerkschafter nennen, nicht käuflich, und sein Hinweis, dass es sich bei diesem GdL-Streik um Privatisierungsfolgen handelt, ist völlig richtig. Und alle Arbeitnehmer, die sich über Unbequemlichkeiten als Folge des Streiks aufregen, sollten bedenken, dass es ihnen besser ginge, wenn auch sie von einer Gewerkschaft vertreten würden, die das Wort Arbeitskampf tatsächlich mit Leben erfüllt.

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IDEOLOGIE DER BANANE

Die Mitte – das ist der mythische Ort der deutschen Politik. Erfolg hat man nur in der Mitte. Mitte ist, wenn man mittendrin steckt, und alle anderen sind um einen rum.
Mitte ist Zusammengehörigkeitsgefühl und Nestwärme, und alle lachen über dieselben Witze. Mitte ist irre gemütlich, und überall, wo es ein Delikt ist, sich nicht anzupassen, da ist Mitte. Mittenmang zwischen „Bares für Rares“ und Hundescheiße auf dem Bürgersteig – das ist ein Wohlfühl-Hotspot.
Vor einigen Jahren haben die Sozialdemokraten mal behauptet, sie seien die „Neue Mitte“.
Das löste Erleichterung aus: Schön, dass die alte Mitte endlich wegkommt. Aber dann fragte man sich: Um welche neue Mitte handelt es sich? Geht es um eine neue rechte Mitte oder um eine neue linke Mitte oder um die neue Mitte des linken Flügels der rechten neuen Mitte oder die neue Mitte des neuen rechten Flügels der linken Mitte, hat die neue Mitte denn überhaupt Flügel, und wer ist denn dieser dunkle Punkt in der Mitte der neuen Mitte? Ist er das Maß aller Dinge, also das Mittelmaß? Dann ist das wohl der Kandidat…
Mittlerweile bezeichnen sich die Sozialdemokraten nur noch als Mitte und nicht etwa als „alte neue Mitte“, weil das den Christdemokraten die Chance bieten würde, sich „neue alte Mitte“ zu nennen.
Entscheidend ist aber die radikale Mitte. In dieser radikalen Mitte – man kann sie auch zentrale Mitte nennen – wird die Macht ausgeübt, von einer Oberschicht aus Industrie, Finanzen und Verwaltung, Verbandsfunktionären und zahllosen Lobbyisten. Diese sog. „Mitte der Gesellschaft“ treibt der Demokratie das Leben aus, die Demokratie verreckt in dieser Mitte. Diese Mitte hat Schuld, dass die Vielfalt politischer Programme schrumpft, und dass sich der politische Horizont vieler Menschen immer mehr verengt. Logisch, dass Politiker, die sich der Mitte zurechnen, gern behaupten, die Mitte sei eine Richtung, und „die Mitte ist vorn!“ Die einzige, die die Mitte bislang philosophisch korrekt verortet hat, ist eine Physikerin namens Dr. Merkel. Die hat festgestellt: Die Mitte ist rechts von links. Genau – das ist das einzige, was man mit Gewissheit von der Mitte sagen kann, außer, dass sie auch links von rechts ist.
Zum Glück kann man einen so schwammigen Begriff wie „die Mitte“ ohne weiteres durch jedes andere Wort ersetzen. Vermutlich würde es auch niemandem auffallen, wenn die Politik nicht „die Mitte“ ins Zentrum ihrer Überlegungen rückte, sondern das Alpenveilchen. Oder die Spreewald-Gurke. Oder die Banane.
Ersetzen wir also mal das Wort „Mitte“ in einem x-beliebigen Politiker-Zitat durch das Wort „Banane“ – dann hat er Folgendes gesagt: „Die politische Banane entstand in Deutschland, und ich bin Vorsitzender einer Partei, die für Maß und Banane steht. Wir wollen die entscheidende Kraft der Banane sein.“
Das habe ich mir gedacht – die Ideologie der Mitte ist Banane.


SIEG AM HINDUKUSCH

Als die „kriegsähnlichen Zustände“ Ende 2001 begannen, diente der Bundeswehreinsatz in Afghanistan der Vernichtung von Al Quaida. Als das daneben ging, kämpfte die Truppe für den Schutz der Menschenrechte, also Frauen nicht hauen und so, und das mit durchschlagendem Erfolg: Heute dürfen Frauen nicht nur unverschleiert studieren, sondern sogar betrunken Auto fahren. Und erfreulich ist auch, dass unsere Soldaten bei den eingeborenen Frauen wahnsinnig beliebt sind, weil deren Männer ja meistens in der Moschee sind oder bei einer Steinigung.
Ziel der deutschen Politik war es von Anfang an, „stabile Verhältnisse“ zu schaffen, und heute können wir feststellen: An den Steilhängen des Himalaya ist die optimale Stabilität total stabil !
Um diese Stabilität zu erreichen, bildeten die deutschen Friedensstifter erstmal einen Großteil aller Afghanen zu Polizisten aus, die in Finanzämtern, bei der Straßenreinigung, auf U-Bahnsteigen und bei der Verfolgung von Drogenhändlern für geordnete Verhältnisse sorgen sollten. Unsere Jungs kümmerten sich um die Ansiedlung von Deichmann-Filialen in der Fußgängerzone von Kabul, und als Altenpfleger fütterten sie in Seniorenresidenzen afghanische Greise. Sie überredeten die Bauern, ihre Mohnplantagen aufzugeben und stattdessen Grünkohl anzubauen. Heute gibt es in Afghanistan mehrere Weinköniginnen und Karnevalsprinzen, und RTL erwägt sogar, Afghanen demnächst im Dschungelcamp auftreten zu lassen. In etlichen ländlichen Regionen sind die Taliban-Bürgermeister in die CSU eingetreten und züchten Ammerländer Sattelschweine, und schon bald werden im ganzen Land Schweinske-Filialen aus dem Boden schießen. Ohne Frage wird auch die Korruption sehr bald westliches Niveau erreicht haben…
Längst vergeben und vergessen ist folglich jener Vorfall 2009, als afghanische Kriminelle das Benzin von zwei deutschen Tanklastwagen abzapfen wollten, woraufhin ein deutscher Offizier entschied, das ginge zu weit, was dazu führte, dass kaum noch Human-Material von 142 afghanischen Männern, Frauen und Kindern am Kundus-Fluss aufzufinden war. Der deutsche Verteidigungsminister äußerte subjektiv volles Verständnis für seinen Oberst, der zwar objektiv unangemessen gehandelt habe, aber subjektiv von der objektiven Richtigkeit seines subjektiv richtigen Handelns überzeugt gewesen sei.
Das haben dann auch die Afghanen schnell einzusehen gelernt.
Als andererseits zwei deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben kamen, konnte man im Fernsehen ihre Aufbahrung auf dem Kölner Flughafen sehen. Dazu erklang „Ich hatt’ ein’ Kameraden,” und per Laufschrift wurden am unteren Bildrand die aktuellen Aktienkurse eingeblendet. Das war eine schöne Bestätigung für die Notwendigkeit des militärischen Eingreifens am Hindukusch. Zum Glück muss dort nun nicht mehr unsere deutsche Freiheit verteidigt werden – das machen wir jetzt im Alpenvorland von Mali…

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Hinterbänklers Standard-Wahlkampf-Rede

Die existenziellen Probleme in unserer Demokratie, um die es uns geht, meine Damen und Herren, liebe Freunde, und die notwendigen Entscheidungen, das sage ich Ihnen ganz ehrlich, sind doch im Grunde. Das bestreiten zu wollen, gefährdet jeglichen Rückhalt in unserer Bevölkerung. Und das lernen wir doch aus der Geschichte, nicht wahr, gerade in Anbetracht der angespannten Situation inmitten einer Schicksalsfrage! Ich betone das in vollem Ernst, weil erstens einfache Lösungen und zweitens auch nichts anderes. Der deutsche Wald darf auch nicht als Einbahnstraße abgehakt werden wie Schnee von gestern, bloß weil wir uns gesicherte Erkenntnisse ohne Gestaltung der Zukunft nicht länger leisten können. Denn ohne solide Absicherung ins Uferlose sind verantwortungslose Experimente zum Scheitern verurteilt: Wir dürfen nicht länger in dieser Gretchenfrage unserer Nation alle Menetekel in den Wind schreiben, als hätten wir schon und könnten uns mal, nur weil einige extreme Weltverbesserer ihr sozialistisches Süppchen planlos vor die Wand fahren! Wer stürzt denn dann ins Bodenlose bis im Hinblick? Das geht uns doch alle an! Hier nähren die Vorgänge doch die Vermutung! Und es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass die gemachten Vorschläge in Anbetracht nicht reichen, weder hinten noch vorne. Gewiss in Anbetracht! Und wenn Sie mich fragen, wo genau das liegt: Ich weiß es nicht, aber ich gehe davon aus, Anbetracht liegt im Vorfeld, und darin liegt ja auch das Schicksalhafte.

Nun aber frage ich mal zurück: Wo sind sie denn, unsere Alles in Allem? 

Worauf es bei dieser Wahl ankommt, das ist doch die Signalwirkung gerade der Menschen draußen im Lande. Das hat sich hinlänglich erwiesen, vor allem im Einklang hinsichtlich der Auswirkungen für die Zukunft.  Und gerade, wenn möglichst viele Wählerinnen und Wähler in den Städten und Gemeinden in ihren Lebensabschnitten verharren, ist es von großer Bedeutung für alle Teile der Gesellschaft ohne eine einzige eigene Meinung. 

Und nun denken Sie mal ein Stück weiter, meine Damen und Herren, denn das ist  von immenser Wichtigkeit nicht nur im Augenblick, sondern auch mit Blick aufs Klima  – was ich persönlich gern unterstütze, ohne es verhindern zu müssen. Und um den Gestaltungsprozess der Situation entsprechend voranzutreiben, setze ich mich entschieden dafür ein, dass unser aller Zukunft auf der Straße liegt. Reformstau und  eindimensionale Haushaltsplanung müssen wir auch weiterhin mit dem Anspruch verbinden, dass die nachfolgenden Generationen diesbezüglich im luftleeren Raume stehen werden. 

Wir alle dürfen hier auch mal ein Opfer unter dem Strich bringen, meine Damen und Herren, und zwar mit Augenmaß auf Augenhöhe! Es ist ein Grundrecht des deutschen Volkes, vor den Rahmenbedingungen aller Eckdaten nicht die Augen zu verschließen. Und das ist volkswirtschaftlich keine Hinhaltetaktik, auch keine blauäugige Alternative, sondern ein schlichtes Privileg, und zwar für alle Schichten unseres Volkes. 

Und ich verspreche Ihnen: Wir werden dafür kompromisslos einknicken! 

Liebe Freunde, auch wenn ich hier heute vor Ihnen stehe ohne Programm, ohne Konzept, ohne jedes Argument und gegen jede Vernunft zum Wohle für unseren gemeinsamen  Weg – wählen Sie meine Partei, unterstützen Sie mich, vor allem finanziell, und glauben Sie mir: Sie mich auch!

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Transparenz & Offenheit

Kaum zu glauben, aber es gab ein Leben vor Annalena – ein Gegenmilieu zu den Parteien, eine links-alternative, kapitalismuskritische Szene: Anti-AKW- und Friedensbewegung, Umwelt- und Kinder-Initiativen, Frauen-Aktivistinnen, Hausbesetzer*innen usw. Klar, dass da Mitte der 1970er die Idee aufkam, eine Anti-Parteien-Partei zu gründen: Befürworter waren der Ansicht, es wäre sinnvoll, dieses Protestpotential im Parlament zu bündeln, Gegner sprachen vom Ausverkauf der bunten Wehrt-Euch-Ideen. Einig war man sich darin, dass Berufspolitiker und Berufspolitikerinnen den Menschen mehr schaden als nützen und nur Übelkeit verursachen.
Auf dem Gründungsparteitag, 11 Monate vor Annalenas Geburt, mahnte ein misstrauischer Delegierter: „Sägt euch doch nicht das linke Bein ab – ihr wisst doch gar nicht, wie die Krücken aussehen, mit denen ihr uns davon humpeln wollt“. Das Krücken-Argument zog nicht, die sogenannten Ökopaxe gründeten ihre Partei – ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei, aber mit einem Unvereinbarkeitsbeschluss gegen Kommunisten. Das war die erste Krücke.
Die zweite Krücke hieß „Anpassung“. Dafür schaffte man die Rotation der Abgeordneten ab, die ein grünes Berufspolitikertum verhindern sollte. Damit die Grünen in die Gemeinschaft der etablierten Parteien aufgenommen wurden, mussten nur noch die an den außerparlamentarischen Bewegungen orientierten Ökosozialisten, „Fundis“ genannt, eliminiert werden. Das gelang mittels der üblichen Intrigen, interner Abstimmungsmanipulationen und dem Druck der bürgerlichen Medien. Die Erinnerung an die Fundis ist mittlerweile entsorgt.
Die auf Regierungsbeteiligung fixierten „Realos“ aber humpelten mit Hilfe der Krücken „Ideologie Nein Danke“ und „Beziehungen knüpfen“ weiter Richtung allgemeiner Akzeptanz. Konsens war: Lange Haare ja, aber gepflegt müssen sie sein.
Grüner Gestaltungswille personifizierte sich in einem gewaltbereiten und machtbewussten Ex-Sponti, der es fertig brachte, Auschwitz für den von ihm mitverantworteten Jugoslawien-Krieg zu instrumentalisieren. Seitdem stehen auch ehemalige grüne Pazifisten keinem Waffenhandel mehr im Weg und stimmen, gestützt auf die Krücken „Macht“ und „Kontrolle“, Bundeswehreinsätzen in Kriegsgebieten zu.
Zügig kanalisierten die Grünen jeden bunten Widerstand in parlamentarisch-etablierte Bahnen, bis es so weit kam, dass eine Ex-Bundessprecherin der Grünen im Management der Gelsenwasser AG anheuerte. Die Krücken hießen nun „Professionalisierung“ und „Fernseh-Präsenz“. Stromlinienförmig hielt der bedeutendste Dosenpfandminister aller Zeiten die Castor-Atommüll-Transporte für rechtlich unabwendbar und Protestaktionen dagegen für falsch. Die einst angestrebte Umverteilung von Oben nach Unten holte der Wachtelkönig, und Widerstand gegen Hartz 4 und die Agenda 2010 wurde im nächsten Feuchtbiotop verklappt. Die Krücken „Sozialabbau“ und „Profitstreben“ waren fortan unverzichtbar, und damit Deutschland im Globalisierungswettlauf wirtschaftlich nicht abgehängt wird, ersetzten die Grünen Kapitalismus-Kritik durch neoliberales Marktwirtschaftsgezeter: Massentierhaltung und Fleisch- Industrie durften weiterwursteln, Kohlekraftwerke waren in Ordnung, wenn sie zur Regierungsbeteiligung führten, Industriebetriebe wurden subventioniert, auch wenn sie einerseits Kurzarbeit verfügten, aber andererseits den Aktionären obszöne Dividende zuschoben, und ein bundesweiter Mietendeckel kommt vielleicht eher lieber doch nicht bestimmt. Grüne Funktionäre wissen, der Regierung wie auch der Opposition anzugehören, erhöht die Glaubwürdigkeit, man humpelt immer dynamischer, und die Krücken dafür heißen „Populismus“ und „Fortschrittsgläubigkeit“. Im Fernseh-Talkshow-Karussell wird deutlich: Voller Einsatz für Nawalny, kein Einsatz für Assange oder Snowden, geschweige denn Sanktionen gegen die USA. Gespannt wartet das Volk, dass die grüne Parteiführung einen Russlandfeldzug proklamiert, klimaneutral mit Solarpanzern.
Die Grünen haben alle ehemals rebellischen Gedanken gecancelt. Sie sagen nichts mehr, was man hinterher nicht richtig stellen kann, und Annalena erklärte den 1. Mai-Demonstranten per Bildzeitung:
„Barrikaden anzuzünden und gewaltsam auf Polizistinnen und Polizisten loszugehen, ist kriminell und in keinster Weise akzeptabel“. Dafür wäre sie vor ihrer Zeit aus der Frauengruppe rausgemobbt worden.
Sie ist eine typische Berufspolitikerin: opportunistisch bis auf die Knochen und im Hinblick auf existenzielle Fragen der Menschheit absolut belanglos. Zum Glück besteht ihre Wählerschaft aus Besserverdienenden, die sich vor allem gegen No-Go-Wörter und für Gendersternchen einsetzen. Für diese Klientel hat Annalena schon die passenden Krücken gefunden: „Versprechen“ und „Vergessen“.

(zuerst veröffentlicht in „Melodie&Rhythmus)

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Zeitgeist

Immanuel Kants Grundfragen zu Metaphysik und Erkenntnistheorie
Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?

gerichtet an Facebook-People, Influencer, Instagramheroes und alle Follower,
beantwortete

die Modetante:
1. Schreibt man Mohde eigentlich mit einem oder zwei O?
2. Soll ich etwa auf Schweinebraten und Kartoffelknödel verzichten?
3. In meinem neuen Hosenanzug sehe ich nur noch halb so fett aus.

die Wetterfee:
1. Sollte ich sicherheitshalber einen Schirm mitnehmen?
2. Ist es sinnvoll, heute noch den Garten zu wässern?
3. Vielleicht lässt man mich in Zukunft ja die Börsenkurse vorhersagen.

Reinhold Messner :
1. Muss ich hier etwa auch wieder runter?
2. Soll ich noch ein letztes Mal jodeln?
3. Mal sehen, ob die Kinder das Seil ordentlich zusammengeknotet haben.

Schumacher jr. :
1. Hat diese Karre denn kein Navi?
2. Darf ich hier etwa nur im Kreis rumfahren?
3. Dieses Mal werde ich die Kurve ja wohl kriegen.

der Terrorismus-Experte:
1. Bin ich der einzige Allwissende hier?
2. Muss ich den Mund halten, um niemanden zu verunsichern?
3. Gottseidank gibt es Dinge, die nur ich weiß.

die Friseurin von Boris Johnson:
1. Sind Perücken nicht doch die bessere Lösung?
2. Wäre es nicht ästhetischer, den Leuten die Köpfe abzuschneiden?
3. Ich bin nicht verantwortlich für jedes Haar in der Suppe.

der Zahnarzt von Jürgen Klopp:
1. Habe ich etwa auch so einen mörderischen Mundgeruch?
2. Eins in die Fresse, mein Herzblatt?
3. Heute wird mir mal kein Finger abgebissen.

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Besser, wir sind mal ganz still

Sie waren vermutlich Zwangsarbeiter beim Bau der Pyramiden in Ägypten, sie waren Jahrzehnte in babylonischer Gefangenschaft, die Römer haben ihren Tempel zerstört, die Gläubigen totgeschlagen und den Rest in alle Welt zerstreut. Ihre Unterdrückung wurde mit dem Aufstieg des Christentums zum Dauerzustand in der Geschichte. Höhepunkt waren die organisierten Pogrome während der Reconquista und die Vertreibung von der iberischen Halbinsel durch die katholischen Majestäten. Zur Zeit der Kreuzzüge stellte man sie vor die Wahl „Taufe oder Tod“. Tausende, die nicht konvertieren wollten, wurden erschlagen.
Besonders schlimm erging es ihnen dann in den sogenannten „Pestpogromen“ zwischen 1348 und 1353.
Warum? Abgesehen von mangelnder Aufklärung gab es religiöse, politische und finanzielle Ursachen, initiiert durch Weltverschwörungstheorien und die Unterstellung von Ritualmorden sowie durch Gerüchte über Brunnenvergiftungen und Hostienschändungen.
Bis ins 19. und 20. Jahrhundert mussten sie grausame regionale Verfolgungen ertragen – in Deutschland, Polen, Russland und anderen Teilen der Welt. Immerhin – bis 1920 wurde ihnen im Osmanischen Reich die freie Glaubensauslebung gegen eine Kopfsteuer gewährt, aber zu keiner Zeit waren sie den Muslimen gleichgestellt: Aussagen von Muslimen galten vor Gericht als wesentlich gewichtiger als die von „Ungläubigen“. Schließlich kulminierte der Hass auf sie im Holocaust, einem beispiellosen Verbrechen mit Millionen Opfern. Nichts ist erschütternder als ein Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem bei Jerusalem…
Die Juden – sie sind zumindest ein einzigartiges Volk. Und jetzt, nach 3000 Jahren Verfolgung, endlich wieder in ihrem Land, sind sie von Staaten umzingelt, die drohen, sie ins Meer zu werfen. Angesichts dieser Geschichte: Wer wagt es, sie zu schmähen, wenn sie ihren selbstständigen Nationalstaat verteidigen und eine Stärkung und Vergrößerung des Staates Israel zu erreichen suchen?
Als ich vor einigen Jahrzehnten mit einem Freund in Israel war, wusste ich selbstverständlich alles über israelischen Imperialismus und das unterdrückte palästinensische Volk. Wir saßen in Netanja im Straßencafé und unterhielten uns. Eine sehr alte Dame kam an unseren Tisch und sagte, ich höre, Sie reden deutsch, kommen Sie doch rüber zu mir und meinem Mann, dann können wir ein wenig plaudern, wir haben es 1939 gerade noch geschafft, aus Berlin rauszukommen. Sind Sie zum ersten Mal in Israel? Wie gefällt es Ihnen denn? Ich antwortete, es sei mir zu viel Militär unterwegs. Im Bus, auf dem Hotelflur, im Kino, in jedem Restaurant – überall Militär, hochbewaffnet. Ja, sagte die alte Dame, das sind unsere jungen Leute, die beschützen uns, bei denen fühlen wir uns sicher. Das ist sehr gut…
Und weil das so ist, und weil die Worte der alten Dame jedem Außenstehenden das Maul stopfen sollten, möchte ich all denen, die Transparente hochhalten mit Aufschriften wie „Juden sind die neuen Nazis“ oder „Stoppt den israelischen Holocaust in Palästina“ oder „Wir wollen keine Judenschweine“, empfehlen, nicht länger ihre profund antisemitische Einstellung als angeblich gutgemeinte Kritik am Staat Israel zu verhökern, sondern in aller Demut zur Kenntnis zu nehmen: Als der Staat Israel gegründet wurde, geschah das nur aus einem einzigen Grund: Um jüdisches Leben zu schützen. Das war sein einziger und ganzer Zweck. Beschämend ist es, wie vielen Leuten in unserem Lande das schon wieder nicht mehr passt.
Und weil uns die Aufrechnung der Konfliktgeschichte des Nahen Ostens erwiesenermaßen nicht weiter hilft, sollten wir uns auf zwei Lehren aus der Vergangenheit besinnen: Auschwitz fordert meine Solidarität mit Israel, und: Ich soll nie wieder wegsehen, wenn Unrecht geschieht – und das betrifft selbstverständlich auch das palästinensische Volk. Wir sind aufgerufen, beiden Seiten mit aller Kraft zu helfen – aber nicht mit Rüstungsgütern, Geld für Terror-Organisationen und Propagandageschrei. Und erst recht nicht mit gelehrten Experten oder besserwisserischen Diskussionsrunden, die sich, als Nachkommen der Nazigeneration, für berechtigt halten, dem Staat der Juden Verhaltensvorschriften zu machen.
Wir Deutschen haben für das Thema keine Prokura.

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Koinzidenz

Von den knapp 20 000 Schauspielern in Deutschland haben rund 50 Serien-Promis in einem Anfall von Größenwahn gemeint, jetzt sei es an der Zeit, mal per Video mit selbst geschriebenen Texten zum Thema „Corona“ an die Öffentlichkeit zu treten. Warum haben sie nicht Leute, die professionell mit Ironie, Sarkasmus, Zynismus, also mit Satire umgehen, um Rat und Hilfe gebeten? Sind sie wirklich so dumm, wie man es angesichts zahlreicher Fernsehproduktionen vermuten musste? Immerhin durfte die Darsteller-Elite daraus lernen, wie es sich anfühlt, von der falschen Seite rauschenden Beifall zu kassieren. Das ist in dieser einkommensschwachen Zeit ja auch nicht zu verachten…
Dazu fällt mir ein: Im Briefwechsel von Goethe und Schiller gibt es eine aktuelle Passage: Da äußert sich Friedrich Schiller über die Weimarer Theater-Schauspieler, und er erklärt, die einzig sinnvolle Art des Umgangs mit diesen Leuten sei „der kurze Imperativ“. Also die Befehlsform. Vermutlich dachte er da an „Halt’s Maul!“ Hätte Schiller den folgenden Brief von Veli (Mitte 40), geschrieben auf der Intensivstation des Klinikzentrums Nord in Dortmund, gekannt, Schiller hätte den VIdeo-Künstlern und -Künstlerinnen wohl befohlen: „Lest!“

20.04.21
Liebe Familie und Freunde !Ich wollte euch eine sehr wichtige Information geben. Alle die mich kennen sollen sich 5 min Zeit nehmen. Das lesen und die Fotos,Videos von mir anschauen.
Eigentlich wollte ich es geheim halten dass ich seit 2 Wochen Krank bin und seit 1 Woche in der Intensivstation.
Wer weiß was passiert, deswegen wollte ich die mich mögen und kennen wissen sollten und euch bitten sehr aufzupassen. Da auch viele mich telefonisch nicht erreichen konnten wollte Ich Info geben.
DAS LEBEN KANN KURZ SEIN PLÖTZLICH !
KEINER HAT SICHERHEIT UND GARANTIE.
SEIT GOTT DANKBAR GENIEßT ES
Wollte Euch zeigen dass von heute auf morgen alles im Leben passieren
Ich passe sehr gut auf andere und auf mich auf jetzt seit 1 Jahr Corona noch mehr bin auch immer Zuhause gewesen aber man braucht ja Lebensmittel.
Ich habe vor ca 3 Wochen Test gemacht war alles ok NEGATIV
Vor 2 Wochen war ich Einkaufen und kurz vorher Imbiss. Beim bestellen vor dem Fenster waren um mich auf einmal so voll und ausser ich und noch jemand ohne Masken und beim Supermarkt in der Schlange auch nicht so Abstand und voll.Irgendwo von den beiden Stellen hat mich irgendeiner angesteckt.
Der Scheiß Laden Besitzer denkt eher an Umsatz statt an Abstand und Hygiene der Kunden.
Zuhause Nach 2 Tagen dachte ich das ist wäre eine Erkältung aber mein Kopf platze und Fieber starke Halsschmerzen.
Um sicher zu gehen habe ich mich beim Arzt kontrollieren lassen. Ich war leider Positiv. Ich war Geschockt.
Vor 1 Woche bekam ich Atemnot keine Luft mehr.Die Ambulanz kam.
Müsste mich 1 Stunde mit Sauerstoff vollpumpen.
Normalerweise ist die Sauerstoffsättigung 95-99 % bei mir war es nur 80 %
Wäre ich eingeschlafen wäre ich vielleicht Gestorben.
Zum Glück hatte mein Großer Bruder der Arzt ist mich angerufen.
Er sagte dein Gesicht ist weiß wie eine Leiche und du hast keine Stimme.
Ruf direkt RTW .
Im Krankenhaus hatte ich auch außer Atemnot
Blutzucker auf 480
hatte ein Zuckerschock fast am linken Auge erblindet sagte der Arzt also von beiden Seiten Lebensrisiko fast gestorben
Gott hat mich geschützt
Der Arzt sagte weil ich nie geraucht habe und nie Alkohol getrunken habe wäre ich im Vorteil. Das macht viel aus sonst wäre ich direkt ins Koma gekommen
Im Krankenhaus sagten sie nach 6 Stunden Untersuchung Blutentnahme und Computertomographie. Das Covid Virus hat meinen Körper und meine Lungen angegriffen. Eine dicke Lungenentzündung.
Ich bin direkt in die Intensivstation gekommen .
Die haben mich 1 Woche mit harten Medikamenten, Infusionen, Serum High Level Power Sauerstoff voll gepumpt um mich zu retten
Wie ihr ja auf den Bildern, Videos sieht.
Die haben mich durchlöchert und 2 Aterien mit Draht zusammen gemacht.
Die Venen geplatzt. Schaut wie Blau angelaufen mein rechter Arm ist.
Hoffentlich wenn Gott will überstehe ich es.
Ich habe Angst und bin aufgeregt.
Mein Bruder hat mich medizinisch sehr viel unterstützt. Mit den Oberärzten hier telefoniert. Meine Familie hat mir seelisch Kraft gegeben Gott soll den Segen geben.
Mein Fieber war 39.
Bluthochdruck und Zucker auch hoch.
Das wichtigste im Leben ist Gesundheit das habe ich jetzt so mit Schmerzen festgestellt.
Bitte oasst ihr auch auf. Abstand halten und wo keine Maske ist weggehen.
Dann Dauerstress Arbeit und Privat all die Jahre wie ich es hatte vermeiden können.
Die Krankheit der Tod guckt nicht auf das Alter oder was du bist was du hast
Gott soll mich bald Gesund machen und das ich euch und mein normales Leben wieder habe Inşallah
Betet für mich das ist wichtig.
Notiz: Telefonieren geht nicht ist verboten in der Intensivstation aber ihr könnt mir schreiben wenn ich dann Therapiepausen habe versuche ich zurück zu antworten.Bin mal gespannt wer mich mag und alles liest Gruß euer Veli

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Hier spricht der Fußball-Fan

Herr Löw beendet noch dieses Jahr seine Existenz als Fußball-Bundestrainer. Gut so: Ein Mann, der mit Anfang 60 in der Öffentlichkeit immer noch Jogi genannt wird, hat zweifellos Probleme, ernstgenommen zu werden. Warum hört er auf? Vielleicht will er 2022 nicht zur Fußball-WM nach Katar, auch wenn das Land außer über ausreichend Sand auch über unerschöpfliche Geldreserven verfügt. Vielleicht ist ihm das Klima zuwider – er hat gehört, dass dort im Sommer, also zur Anstoßzeit, häufig bis zu 45 Grad Celsius herrschen. Das ist ihm vermutlich zu warm. Möglicherweise nimmt er auch Anstoß an der Korruption in der FIFA, die ihn nicht angemessen beteiligt, und es ist auch nicht auszuschließen, dass ihn der Gedanke an die vielen Toten beim Stadionbau stört. Das Rätselraten über die Gründe seines Rücktritts nimmt nur langsam ein Ende. Aber in Wirklichkeit gibt es nur einen Grund für seinen Rücktritt: Jogi Löw hat Angst, die Herrscher der Wüste nicht korrekt ansprechen zu können und dann in Ungnade zu fallen. Er kann sich nämlich keine Namen merken. Dabei ist es ganz einfach: In Katar regiert das Haus von Al Thani, denn der Gründer der Dynastie ist der Emir Mohammed bin Thani. Das Sagen hat zur Zeit Hamad bin Khalifa Al Thani. Der hat 1995 seinen Vater Emir Khalifa bin Hamad Al Thani abgesetzt. Hamad bin Khalifa Al Thani hat drei Ehefrauen und vermutlich 27 Kinder, auch den 1980 geborenen Thronfolger Tamīm bin Hamad Al Thānī. Dessen Urgroßvater war der legendäre Ahmad bin Ali Al Thani, und dann geht es immer so weiter bis zu Sheikh Abdullah bin Nasser bin Abdullah Al Ahmed Al Thani, Urenkel von Sheikh Ahmed bin Mohammed Al Thani und Ururenkel von Sheikh Mohammed bin Jassim bin Mohammed Al Thani, dem siebten Sohn und dritten Nachfolger des Gründers des modernen Katar, Sheikh Jassim bin Mohammed Al Thani, der ein Vetter zweiten Grades von Hamad bin Chalifa bin Hamad bin Abdullah bin Jassim bin Muhammed Al Thani war, dem derzeitigen Herrscher von Katar.
Wochenlang hat Fußball-Bundestrainer Löw trainiert, diesen Stammbaum in seine Abläufe zu integrieren, offensiv und defensiv, vergeblich: Der einzige Name, den er fehlerfrei auf alemannisch aufsagen konnte, war
Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Das war der, der seinerzeit behauptet hatte:

PROFI-FUßBALL IST EIN GLÄNZENDES FURUNKEL AM ARSCH DES KAPITALISMUS.

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Die schaffen das

Nach Ansicht des Bundespräsidenten Johannes Rau (heimgegangen im Januar 2006) war die Politikverdrossenheit der Bevölkerung vor allem auf die unverständliche Sprache von Politikern und verkürzte Wiedergabe in den Medien zurückzuführen. Immer weniger Menschen verstünden, worum es bei vielen politischen Entscheidungen gehe, meinte er. Und wörtlich:  „Besonders desaströs ist der Eindruck, wenn die Vorgänge im Zusammenhang stehen oder in die Nähe gebracht werden mit Korruption und unzulässiger Einflussnahme wie Bestechung oder Vorteilsannahme.“ Als ob er’s geahnt hätte: 

Was christdemokratische Hinterbänkler sich beim unanständigen Handel mit Atemschutzmasken in die Taschen gestopft haben, erregte in Betrügerkreisen allgemein Anerkennung, und die Bürger fragten sich bewundernd, wie ertragreich wohl der illegale Handel mit abgezweigten Impfstoffen war. Niemand weiß bislang, wem es Millionen eingebracht hat, dass es im Land an Impfstoff mangelte. Und in dieser Legislaturperiode wird das wohl auch nicht mehr geklärt werden. Aber dann…

Zum/zur Kanzler*in wird nicht gewählt, den/die alle für den/die Geeignetste*n halten, sondern der/die, auf den/die sich die meisten einigen können. Der/die Kanzler*in ist also auch immer der/die kleinste gemeinsame Nenner*in.

Söder?  Der lächelt immer so hinterhältig, dass es sogar in einer harmonischen Runde von Geistesgestörten unangenehm auffallen würde. Söder forderte: Vorsicht mit Vernunft! Diese Formulierung kennzeichnet seine Haltung zur Intelligenz.

Laschet hingegen hat ein eher bedrohliches Lächeln, wenn er völlig gedankenfreie, aber wie in Gelee gemeißelte Sätze formuliert. Laschet konterte mit  „Brücken-Lockdown!“  Ist Brücken-Lockdown dasselbe wie Ausgangssperre?

Göring-Eckart keifte :„Wir brauchen jetzt einen radikalen Wellenbrecher.“ Wen meinte sie – Söder? Oder den großen Denker Christian Linder? Der verfügt über ein breit gefächertes Spektrum an Inhalten, um die Aufgaben der Ziele in den Griff zu bekommen und um über ein effektives Programm zu den drängenden Fragen der Zeit klare Antworten zu geben, damit die berechtigten Interessen Deutschlands zukunftsfähig werden im Sinne einer freiheitlichen Gestaltung, auch und gerade für junge Leute.

Dieser Christian Lindner, an dessen Gesicht der Blick des Betrachters einfach abrutscht, behauptet, eine Ausgangssperre sei „unverhältnismäßig“. Das kann aber eigentlich nicht sein, denn das einzige, was wirklich unverhältnismäßig ist, ist die Redezeit, die das Fernsehen diesem Dödel einräumt.

In dieser für uns alle schwierigen Zeit formulierten die Medien eine Fülle einfallsreicher Thesen. Zum Beispiel: Die Politik muss jetzt sofort handeln, d. h., sie darf nicht untätig sein. Oder: Es bringt nichts, mit Horrorgemälden im Trüben zu fischen. Aber niemand kommt auf die Idee, mal die Wahrheit zu sagen: Es werden nur noch Reden gehalten, die nicht der Rede wert sind. 

Vielleicht sollte man mal ein Tier als Kanzler*in ausprobieren, am besten ein weibliches Tier, eine 16-karätige Goldhamsterin zum Beispiel. Das wäre dann mal eine Kanzlerin zum Anfassen.

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Kein Grund zur Nostalgie

100 Jahre ist es jetzt her, da tagte im Fernsehen „Die letzte Instanz“, ein nationaler deutscher Sachverständigenrat: Einige Magerquarkdenker der WDR-Meinungsmacherei palaverten mit Frau Kunze, einer schrill schnatternden Bauchrednerpuppe, ferner mit  Milski, einem offenkundig fehlerhaft geklonten Schlager-Replikanten, und mit dem Pfauengockel Gottschalk, der als Blackfacing-Spezialist das Gefühlsleben der Schwarzen angeblich gut nachempfinden kann. Das Thema war „Rassismus in der Sprache“. Die weißen Herrschaften, eitel und inkompetent, ignorierten alles, was zu diesem Thema schon x-mal in Talkshows ausdiskutiert worden war. Angesichts von so viel dummer Arroganz schämten sich zahlreiche Zuschauer, denn sie kapierten: Mit ihnen, den Weißen, ging es steil bergab. 

Sie hatten in ihrem Überlegenheitsdünkel im Lauf der Zeit zu viel falsch gemacht: Menschen nach ihrer Hautfarbe eingeteilt, das Deutschsein über das ‚Weißsein‘ definiert, und sie hatten geglaubt, sich zu ihrer Bequemlichkeit Menschen 2. Klasse halten zu können. Die Herrenrasse hatte es versäumt, statt biologischer Kategorien eine gerechte und menschenwürdige soziale Klassifizierung einzurichten. Deswegen steckte in fast allen Absagen für Bewerbungen auf Jobs und Wohnungen ein struktureller Rassismus. In der Verwaltung signalisierte der Staat den Menschen mit den „anderen Namen“, sie hätten als lästige Bittsteller hier nichts zu suchen. 40% der Kinder in den Klassenzimmern hatten einen Migrationshintergrund, wurden aber unterrichtet von einem Lehrkörper, der zu 90% aus Alteingesessenen bestand. Auf dem Arbeitsmarkt kam „erst Horst, dann vielleicht Amadou“. Menschen mit dunklem Teint, dunklen Augen und dunklem Haar waren im Niedriglohnsektor deutlich überrepräsentiert, aber keine 2 Prozent arbeiteten im Journalismus. Bösartiger Antiziganismus verjagte Sinti und Roma von deutschen Campingplätzen, Afrodeutsche wurden bei Racial-Profiling-Kontrollen von weißen Ordnungshütern genussvoll zusammengeschlagen, und Hetze, brutale körperliche Gewalt, brennende Unterkünfte und mörderische Attentate sorgten für die Gewissheit ständiger Bedrohung. Das Braune im Weißen war allgegenwärtig, und die Parteien stimmten darin überein: Konzepte des Empowerments und der Emanzipation lassen sich angesichts der politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland nicht durchsetzen, denn die Unantastbarkeit der Menschenwürde ist im deutschen Wirtschaftssystem eine kleinbürgerliche Illusion, weil die Gesellschaft nicht auf Moral zielt, sondern auf Profit. Der  Slogan „Ausländer bereichern die deutsche Wirtschaft“ sprach sich global als äußerst zweideutige Wahrheit herum, und weil mögliche Interessenten es extrem reizlos fanden, deutschen Aktionären die Taschen zu füllen und dafür dann als minderwertig angesehen zu werden, wollten sie mit der Einwanderung nach Deutschland lieber warten, bis die Eingeborenen verschwunden seien. 

Endlich, nur wenige Jahrzehnte nach jener Sitzung der „Letzten Instanz“, packten alle, die einst mit großen Hoffnungen gekommen waren, ihre Koffer und wanderten wieder aus. Viele kluge weiße Frauen, die das Diskriminierungsmuster nur zu gut kannten, warfen die Gleichberechtigungs-Quote resigniert in den Müll und schlossen sich ihnen an. Die Zurückgebliebenen, in erster Linie einsame weiße Männer, erinnerten sich an einen Satz des Philosophen Nietzsche: „Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen“.  

In einem letzten Ausbruch von so genanntem gesunden Menschenverstand, vulgo Schwarmintelligenz,  kamen sie zu der Einsicht, wertvoller könnten sie ja nun nicht mehr werden, und es sei wohl am deutschesten, sich auf dem Höhepunkt der Evolution vom Acker zu machen. Letztlich mussten sie einsehen:  Leben ist ein postnatales Problem, das zu meistern sie nicht in der Lage waren. Also beschlossen sie, auszusterben. Bis heute vermisst sie niemand…

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Perspektivlos

Zur Zeit werden wir mit populistischem Unrat überhäuft, und es ist kaum zu glauben, auf welch primitivem Niveau die öffentliche Diskussion abläuft. Seit am 2. Weihnachtsfeiertag 2020 eine 101 Jahre alte Dame zu besichtigen war, der im Fernsehen als erster eine Spritze gegen Corona in den Oberarm gepiekt wurde, quälen uns in jeder, wirklich in jeder Nachrichtensendung Großaufnahmen von Spritzen, die in mehr oder minder welkes Fleisch eindringen. In den rund 70 Tagen seit jenem ersten Impf-Event in Halberstadt präsentierte man zig-tausend Wiederholungen: Spritze spritzt in Oberarm – da kann man Kameraleute und Redakteure nur zu ihrem informativen Einfallsreichtum beglückwünschen.

Zudem belästigen uns die Medien mit ständigen Politiker-Hinweisen auf dringlichst benötigte Perspektiven. Nur Olaf Scholz, das Feldherren-Imitat der SPD, nach seiner Perspektive für die Menschen befragt, spricht generalstabsmäßig von „Strategie“. Immerhin hat er sich für eine Perspektive zur Öffnung des Kulturbereichs ausgesprochen. Das ihm treu ergebene „Hamburger Abendblatt“ stimmt zu : Die Menschen in Hamburg brauchen eine Perspektive. Der nicht minder konservative Weser-Kurier geht noch ein Stück weiter mit der hochintelligenten Frage: Wie viel Perspektive ist möglich? Niemand konnte diese Frage bislang schlüssig beantworten. Nicht mal der Schwadroneur Christian Lindner.

In einem Interview mit dem Fernsehsender der Tageszeitung „Die Welt“, das die Moderatorin einleitete mit dem erstaunlichen Versprechen „Wir wollen das Thema ein bisschen vertiefen – Herr Lindner…“ sagte der FDP-Vordenker: Die Menschen im Land brauchen eine Perspektive. Im nächsten Interview sagte Herr Lindner: Unser Land braucht eine Perspektive auf Öffnung. Mehrmals forderte er zudem eine rasche Öffnungs-Perspektive. Man konnte ihn aber auch schimpfen hören: Öffnungs-Perspektive? Das ist eine Fata Morgana! Und dann, klagend: Die Ministerpräsidentenkonferenz hat überhaupt gar keinen Stufenplan vorgelegt. Das zeigt: Die Bundesregierung hat gar kein Interesse an einer solchen Perspektive! Schließlich stellte Herr Lindner tadelnd fest: Es fehlt eine Perspektive, wie’s denn weitergehen soll. Na, mit den richtungsweisenden Forderungen sogenannter freier Demokraten natürlich:

Sebastian Körber, Mitglied des bayerischen Landtages: Die Menschen brauchen wieder eine echte Perspektive. Das stimmt. Gefälschte Perspektiven braucht kein Mensch… Hans-Ulrich Rülke aus Baden-Württemberg: Die Menschen brauchen eine Perspektive für die Freiheit. Dummes Zeug, brauchen sie nicht… Und Thomas L.Kemmerich, der Beinahe-MP von Thüringen: Die Menschen brauchen eine Perspektive…Wir müssen uns dem Virus nicht unterordnen, sondern mit ihm leben. Der Mann spricht aus Erfahrung: Mit dem Virus AfD wollte er sich auch schon mal ins Bett legen… Da sah er wohl eine Perspektive.
Nicht weit weg von diesen todesmutigen Vaterlandsverteidigern bewegt sich der Chefredakteur des Münchner Merkur, Georg Anastasiadis. Er schreibt: Wichtig ist, dass die erschöpften Bürger endlich eine Ausstiegs-Perspektive erkennen… Eine Null-Covid-Strategie hält unsere Gesellschaft nicht aus. Sie wäre unbezahlbar… Soviel Macht über unser Leben dürfen wir dem Virus nicht geben.
Klar, lieber ein paar Leute mehr verrecken lassen, als weiterhin den Baumarkt zu schließen…

Robert Wüst, Präsident des Handwerkskammertags Brandenburg, spricht für das Friseur- und Kosmetikerhandwerk: Echte Perspektiven sind das, was diese Unternehmer so dringend brauchen. Planungssicherheit und eine verlässliche Öffnungs-Perspektive wünscht sich Sarna Röser, Vorsitzende der Jungen Unternehmer. Die IG Gastro in Köln veranstaltete eine Mahnwache unter dem Motto: Ohne Perspektiven geben wir den Löffel ab! Zum Trost verkündete der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet: Nach vier Monaten des Lockdowns brauchen die Menschen, brauchen die Unternehmen Perspektiven…Und ich bin sicher, dass es uns gelingen wird, den so besonders von den Einschränkungen betroffenen Branchen wieder eine Perspektive aufzuzeigen. Bundeswirtschaftsminister Altmaier bestätigte das in der ihm eigenen Originalität. Er sagte: Insgesamt ist jetzt das vorrangige Ziel, für viele Bereiche der Wirtschaft eine Öffnungs-Perspektive zu entwickeln.

Eine ganz und gar ungewöhnliche Perspektive spricht Marcus Weinberg an, der seniorenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Ältere Menschen und ihre Familien brauchen jetzt eine Perspektive, wie ihr familiäres und soziales Leben unter Einhaltung des Infektionsschutzes in Zukunft stattfinden kann. Ja gut, aber die endliche Perspektivlosigkeit alter Menschen bleibt doch wohl bestehen, oder?
Bundesgesundheitsminister Spahn äußert sich wie immer ein wenig nebulös: Laien-Selbsttests könnten perspektivisch dazu dienen, wieder Besuche von Theatern oder anderen Veranstaltungen zu ermöglichen. Das ist die Perspektive, sagt er. Aber ganz im Sinne der Abonnenten und gewohnt luzide äußert sich „Die Zeit“: Die Menschen brauchen eine Zeit-Perspektive. Witzig, wer kommt denn schon auf sowas…

Die Perspektiven-Beschwörung nimmt kein Ende. Offenbar ist Perspektive ein Begriff, der Wichtigkeit signalisiert. Der Verdacht liegt nahe: Perspektive ist letztlich nur ein anderes Wort für „Eigenkapital“, „sicheres Einkommen“ oder „Liquidität“, für „Umsatz“, „Profit“ und „Kreditwürdigkeit“. In wissenschaftlichen Statements ist von Perspektiven ja eher selten die Rede, die medizinische Wissenschaft stellt vielmehr Prognosen, sie hat’s nicht so mit den Vorhersagen und den Versprechungen. Es sind die politischen Interessenvertreter, die glauben, mit Eloquenz ihre eigene Perspektivlosigkeit verschweigen und dem niederen Volk einreden zu können, als Volksvertreter wisse man, wo’s langgeht. Mit dem Gerede über Perspektiven bauen sie Kompetenz-Attrappen auf, um der Allgemeinheit vorzugaukeln, sie würden Volkes Willen vollstrecken, und es würde sich lohnen, sie zu wählen. Das alles ist Populismus der übelsten Art. Und die SPD? Immer mittenmang dieser Kulissenschieberei.

Der Bundestagsabgeordnete Mützenich: Die Menschen brauchen klare Perspektiven. Ein unbekannter, aber umso aufgeregterer SPD-Abgeordneter im Landtag von Baden-Würtemberg: Es gilt darauf hinarbeiten zu können, dass die Menschen eine Perspektive haben… hier braucht es verlässliche Planungs-Perspektiven. Die Vorsitzende der hessischen SPD: Die Menschen in Hessen und darüber hinaus brauchen eine langfristige Perspektive, wie es in der Corona-Krise weitergeht. Diese Perspektive hätte gern auch Frau Renate Scheichelbauer-Schuster, die österreichischen Gewerbe-Obfrau: Es braucht natürlich Planbarkeit … genauso wie die Menschen eine Perspektive brauchen in Richtung Ende der Pandemie. Und SPÖ-Chef Martin Staudinger verlangt rigoros: Die Menschen brauchen Unterstützung und Perspektiven – und das JETZT! Jawoll, kein Problem:

Perspektive hat viel mit dem Standpunkt des Betrachters zu tun. Von welchem Standpunkt aus man eine perspektivische Sichtweise (wörtlich: Durchblick) offeriert, ob man eine fundamentale Doppel-Perspektive postuliert oder den philosophischen Perspektivismus bevorzugt – Menschen entwerfen je nach Perspektive unterschiedliche Bilder der Wirklichkeit, denn Perspektivismus ist eine erkenntnistheoretische Grundhaltung. Das Problem ist nur: Wenn man sich damit nicht auskennt, ist man schnell ziemlich perspektivlos.

Am besten, Deutschland hält sich an das perspektivische Denken von Altkanzler Gerhard Schröder. Der fasste 2004 seine Eindrücke von einer Afrika-Reise und seine Haltung zur Afrika-Politik so zusammen: Die Menschen brauchen eine positive Perspektive.
Genau – kein Mensch braucht eine negative Perspektive.

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(c) 2021 Henning Venske