Gebet

Allmächtiger, Allmächtige oder Allmächtiges –

ich sehe ein, dass du dich auch mal amüsieren willst, und dass du deswegen das Böse in der Welt nicht ein für alle Mal ausrotten magst. Doch es wird Zeit, dass du eingreifst.

Ich bitte dich, alle Politikerinnen und Politiker, die von Allgemeinwohl reden und reden und reden und reden und doch nur ihr eigenes Wohlergehen meinen, also ihre Wiederwahl, mit bunt schillernden Furunkeln auszustatten, und zwar auf der Stirn, ferner zwischen den Schulterblättern, wo man sich nicht kratzen kann, im Anus und, sofern vorhanden, am Penis.

Lass sie, die behaupten, Lebensqualität zu schaffen und doch nur Klima, Wasser und Erde vergiften, wegen Luftmangel implodieren oder wegen Fettleibigkeit explodieren, lass sie, die vorgeben, mit ihrer Wirtschaftspolitik Wachstum und Reichtum zu fördern und dabei nur Hunger, Flüchtlinge und Terroristen produzieren, im Mittelmeer über Bord fallen und Salzwasser schlucken.

Versetze all diese nationalistischen Politiker, die so entschlossen über Krieg oder nicht Krieg entscheiden und uns das als Friedensbemühungen verkaufen, 75 Jahre zurück, mitten in einen Bombenhagel, verschütte sie in ihren eigenen Kellern oder schick sie ohne Nahrung und ausreichende Kleidung zu Fuß auf die Flucht, lass sie auf Minen treten, und lass ihre Angehörigen attackiert werden von Tieffliegern und Drohnen.

Ferner bitte ich dich, Allmächtiger, Allmächtige oder Allmächtiges, mach alle, die sich auf Kosten anderer bereichert haben, zu Armen und Obdachlosen: Nimm ihnen ihre Immobilien, vernichte ihre Wertpapiere, setze sie aus ihren mächtigen Positionen ab, lass sie müden Schrittes durch die Flure der Sozialämter schleichen und reduziere ihre Kommunikation auf die Unterhaltung mit unqualifizierten Angestellten der Jobcenter sowie Gerichtsvollziehern.

Treibe alle Politikerinnen und Politiker, die von Sozialpolitik reden und asoziale Entscheidungen treffen, bei bitterer Kälte unter die Brücken, lass sie sich mit neoliberalen Zeitungen zudecken und verordne ihnen eine Diät aus Mülleimern und Papierkörben.

Lass alle Politiker und ihre Anhänger, die meinen, schwarzen und andersfarbigen Menschen ginge es bei uns zu gut, morgen mit kohlpechrabenschwarzer Haut aufwachen, auf dass sie alle Segnungen erfahren, deren die Asylsuchenden bei uns teilhaftig werden.

Ich verspreche, ganz fest an dich zu glauben, Allmächtiger, Allmächtige oder Allmächtiges, wenn du die Abschiebung aller Hirn- und Herzlosen, die Fremdenfeindlichkeit schüren, Rassismus predigen, Grenzen schließen und Geflüchteten Lebensunterhalt und Sicherheit verweigern, in irgendeine Einöde veranlasst, wo sie unter sich sind. Am besten, du schießt sie auf den Mond. Und gib denen, die um ihrer Karieren willen in den Medien alle Schweinereien, die Lügen, die Ungerechtigkeiten, die Habgier und die Ausbeutung nicht bekämpfen, sondern fördern, das ständige Geräusch eines Zahnarztbohrers auf die Ohren.

Um mit dem Aufräumen anzufangen, empfiehlt es sich, wenn du dir als erstes diese von Gipfelritual zu Gipfelritual reisenden Spitzenpolitiker  vornimmst: Lass bitte ihre Flugzeuge und Hubschrauber abstürzen, ihre Züge entgleisen, ihre Autos kollabieren, ihre Dampfer absaufen und ihren Fahrradreifen die Luft entweichen, bevor sie unsere Stadt erreichen. Sie sind nicht willkommen.

Und schließlich bitte ich dich noch, das führende Personal aller Religionen, die uns paradiesische oder – je nachdem –  höllische Zustände im Jenseits versprechen und doch nur menschenfeindliche Kreuzzüge und terroristische Verbrechen auf Erden anheizen, mit Eierstöcken, ungewollten Schwangerschaften und einer Broschüre über Verhütungsmethoden im Zölibat zu beglücken.

Danke. Amen.


(c) 2018 Henning Venske